Die Geschichte Amstettens


Frühe Entwicklung

Amstetten verdankt seine Entwicklung der verkehrsgünstigen Lage an zentralen Straßen- und Flussläufen. Bereits für prähistorische Zeit ist eine Besiedlung des Amstettner Gebietes nachgewiesen worden. Durch die Schaffung der Provinz Noricum (15 v.Chr.) wurde die Region zum römischen Grenzgebiet, durch das die Limes-Hauptstraße, eine bedeutende Ost-West-Verbindung, verlief.

Im heutigen Stadtteil Mauer existierte ein kleines Kastell mit Zivilsiedlung. Dort wurde 1937 ein bedeutender Hortfund entdeckt, der unter anderem Votivgaben beinhaltet, die dem Jupiter-Dolichenus-Kult zuzordnen sind.

Amstetten in Mittelalter und Früher Neuzeit

Nach der Zurückdrängung der Awaren im späten 8. Jahrhundert wurde u.a. das südwestliche Niederösterreich Teil des fränkischen Reichs. In der Region von Amstetten verliehen die fränkischen Könige Land an die Bistümer Passau, Freising und Salzburg, um den Siedlungsaufbau voranzutreiben. Das Bistum Passau, als Grundherr von Amstetten bis 1734 besonders bedeutsam, gründete im 11. Jahrhundert die Pfarre St. Stephan und verlieh das für die wirtschaftliche und rechtliche Entwicklung wesentliche Marktrecht (Bestätigung durch König Rudolf 1276). In diesem Zusammenhang wurde ein Marktplatz (heutiger Hauptplatz) geschaffen. Wesentlich für das Wirtschaften aller EinwohnerInnen war der Verkehr auf der Fernstraße, die den Markt in ost-westlicher Richtung durchzog, im Spätmittelalter aber auch ein gewisser Anteil an der Versorgung des obersteirischen Eisenreviers mit Lebensmitteln.

Burg Ulmerfeld

Südlich der Passauer Besitzungen war das Bistum Freising mit Land belehnt. Ulmerfeld, heute Teil Amstettens, wurde im Hochmittelalter zu einem regionalen Zentrum der freisingischen Herrschaft in Niederösterreich. Als Herrschaftssitz wurde in mehreren Bauphasen ab dem 12. Jahrhundert die Burg Ulmerfeld errichtet.

Weitere Informationen zu Ulmerfeld finden Sie bei der "Historischen Interessengemeinschaft zu Ulmerfeld".

Im Hoch- und Spätmittelalter wuchs der Markt Amstetten. Die Häuserzahl stieg von 43 (1324) auf 80 (1590/91), wobei um 1500 durch Überfälle, Brände und 1529 durch osmanische Truppen größere Zerstörungen dokumentiert sind. Die verkehrsgünstige Lage Amstettens bot demnach nicht nur Vorteile. Insbesondere zu Kriegszeiten litt der Markt durch Einquartierungen oder Plünderungen (z.B. Österreichischer Erbfolgekrieg 1741-48, Franzosenkriege 1805-09). 

Vom Eisenbahnbau bis zur Zwischenkriegszeit

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts lässt sich eine rasante Bevölkerungszunahme erkennen, die auch durch den Brand des Jahres 1877, der nahezu den gesamten Markt verwüstete, nicht gebremst wurde. 1847 wurden 790 Einwohner gezählt, 1900 waren es bereits 5667. Grund für diese Dynamik war der Ausbau des Marktes zu einem regionalen administrativen Zentrum (u.a. Sitz der Bezirkshauptmannschaft 1868) und der Anschluss an die neuen Bahnverbindungen, die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn (1858) sowie die Kronprinz-Rudolf-Bahn (Selzthalbahn) (1872). Die Anbindung an das zu dieser Zeit modernste Verkehrsmittel erleichterte in weiterer Folge die Ansiedlung und den Ausbau von Betrieben.

Der Bedeutung Amstettens als regionales Zentrum wurde durch die Erhebung zur Stadt (1897) Rechnung getragen. Parallel dazu wurden, analog zu zahlreichen anderen mitteleuropäischen Städten, ab dem 1890ern großzügige Investitionen in die Infrastruktur initiiert (Kanalisation, E-Werk, Ybbsbrücke etc.)

Der Erste Weltkrieg bedeutete für die Stadt, abgesehen von Einrückungen und der sich verschlechternden Versorgungslage v.a. ab dem Winter 1916/17, die Nachbarschaft zum Kriegsgefangenenlager Hart mit bis zu 30.000 Gefangenen. Kriegsende und Übergang zur Republik bedeuteten auf lokaler Ebene keinen Bruch. Der ab 1903 amtierende Bürgermeister Kubasta etwa blieb im Amt.

Der weiterhin stark steigenden Bevölkerungszahl wurde durch kommunale Wohnbauten und Unterstützung privater Siedlertätigkeit zu entsprechen versucht. Die Hyperinflation der frühen 1920er erschwerte aber eine Fortsetzung kommunaler Investitionen.

Die zunehmenden innenpolitischen Spannungen der Ersten Republik waren auch in Amstetten zu spüren. Dazu trugen die Wirtschaftskrise ab 1930 und das in der Stadt früh bemerkbare Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung bei. Gleichwohl bildeten sich im kleinstädtischen Alltag zwischen den politischen Lagern nicht unüberbrückbare Gräben. Während des Bürgerkriegs 1934 kam es in der Stadt zwar nicht zu Kampfhandlungen, aber zu Verhaftungen von Sozialdemokraten.

Amstetten im Nationalsozialismus

Die NS-Herrschaft bedeutete auch in Amstetten zunächst die Misshandlung und Verhaftung politischer Gegner sowie die zunehmende Entrechtung und Enteignung von Jüdinnen und Juden bzw. „Zigeunern“. Von 43 Jüdinnen und Juden sind mindestens 16 deportiert und ermordet worden. Im Krankenhaus Amstetten wurden ebenso wie in der Pflegeanstalt Mauer-Öhling Zwangssterilisationen an sog. „Erbkranken“ durchgeführt. Mauer-Öhling diente überdies als Durchgangsstation, ab Herbst 1944 auch als Schauplatz für zahlreiche Euthanasiemorde.

Parallel zum Vernichtungsprogramm verfolgten die NS-Verantwortlichen für Amstetten ein umfassendes Ausbauprogramm für die Stadt, das u.a. Eingemeindungen, Wohnsiedlungen, Schulen und NS-Prachtbauten umfasste. Realisiert wurde davon – auch kriegsbedingt – nur manches: Insbesondere Industrie- und Bahnanlagen wurden ausgebaut und einzelne kulturelle Akzente gesetzt. Ab November 1944 wurde Amstetten zum Ziel von Bombenangriffen. Der 1944 vorangetriebene Bau von Luftschutzstollen konnte nur durch den Einsatz von ZwangsarbeiterInnen umgesetzt werden, die insgesamt für Gewerbe und Landwirtschaft von großer Bedeutung waren. Um die strategisch wichtigen Bahnanlagen im Stadtbereich instand setzen zu können, wurde im März 1945 noch ein Außenlager des KZ Mauthausen mit bis zu 3.000 männlichen und 500 weiblichen Häftlingen eingerichtet.

Amstetten seit 1945

Nach Kriegsende lag Amstetten in der sowjetischen Besatzungszone. Der Wiederaufbau der kriegsbedingten Zerstörungen war um 1960 abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt war das österreichische „Wirtschaftswunder“ auch in der Stadt zu spüren und ermöglichte ab den 1960ern einen neuerlichen Investitionsschub. Unter dem Leitmotiv städtischer Modernisierung setzte eine Welle an Neubauten, Betriebsansiedlungen und Schulgründungen ein. Wesentlich für die Expansion war die 1972 erfolgte Schaffung der Großgemeinde Amstetten, die neben Amstetten auch Mauer-Greinsfurth, Ulmerfeld-Hausmening-Neufurth und Preinsbach umfasst. Damit ist die Bedeutung Amstettens als administratives, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des südwestlichen Niederösterreichs mit aktuell (2016) ca. 23.000 EinwohnerInnen unterstrichen.